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das Erste
Wie würden Sie die moderne Version von Holmes und Watson beschreiben – verglichen mit dem Original?
Unsere Sicht ist sehr am Original und dem Geist von Conan Doyle
orientiert. Wir sind nur abgekommen von der Idee, dass Watson nur eine
Art Assistent ist. Wir sehen ihn als einen gleichberechtigten Kollegen
von Holmes. Immerhin sind die Geschichten ja auch aus der subjektiven
Sicht des Watson von Doyle aufgeschrieben worden. Im Original ist Watson
ein verwundeter Militärarzt, der aus Afghanistan zurückkehrt. Und man
wird schließlich nicht Militärarzt, wenn man ein völliger Trottel ist!
Ich freue mich, eine Figur zu spielen, die auf Augenhöhe mit Holmes
steht.
Sherlocks Welt ist eine klassische Männerwelt. Und
Sie machen sich ein bisschen lustig darüber in ihrer Interpretation. Sie
spielen mit der Möglichkeit, dass Watson und Holmes ein Paar seien und
jeder glaubt auch irgendwie, dass das stimmen könnte ...
Ich glaube, – oder sagen wir mal lieber: Ich nehme an, wir sind es
heutzutage eher gewohnt, das Männer nicht wirklich erwachsen werden. Sie
bleiben Jungs. Was im Übrigen auch auf die Macher der Serie zutrifft.
Sherlock und John gehören schon zur recht männlichen Fraktion – aber
vielleicht mit einem kleinen Hang zum Metrosexuellen.
Man kann ja froh sein, dass Sherlock Watson
getroffen hat. Was wäre sonst aus den beiden geworden? Sherlock hat eine
einzige Freundschaft in seinem Leben geschlossen und dasselbe gilt auch
für Watson.
Ja, definitiv. Und deshalb ist das auch so etwas wie eine
'Liebesgeschichte', in der sich zwei Menschen zur absolut richtigen Zeit
treffen; genau dann, wenn sie sich gegenseitig am meisten brauchen.
Zumindest gilt das für Watson, der gerade aus Afghanistan gekommen ist.
Bei Sherlock bin ich mir da doch gar nicht so sicher, wenn ich länger
darüber nachdenke. Naja, naturgemäß habe ich mich ja auch mehr mit
meiner eigenen Rolle auseinandergesetzt.
Ärzte braucht man und Watson wäre irgendwie durchgekommen. Aber geniale Detektive?
Zugegeben, es gibt wenige Dinge, mit denen man sich an geniale
Detektive wendet. Ich glaube, bevor er John Watson traf, war Sherlock
extrem frustriert. Lauter Ignoranten um ihn herum, die ihm intellektuell
nicht das Wasser reichen können. Und in diesem Umfeld muss er sein
„Geschäft“ etablieren. Was Watson angeht, der war in London vollkommen
allein. Er fühlte sich nutzlos – nicht zuletzt wegen seiner Verletzung –
und ihm fehlte das Abenteuer.
War es schwierig, die Rolle des Watson zu spielen?
Nein, gar nicht. Ich denke, alles auf der Welt ist ganz einfach
machbar. Aber wenn du etwas extrem gut machen willst, dann fangen die
Probleme an. Dann wird's schwierig. So ging es mir auch mit der Rolle.
Aber bedingt dadurch, dass das Buch einfach klasse geschrieben ist, ich
die Rolle unbedingt spielen wollte, mit der Regie bestens klar kam und
auch noch mit Benedict als Partner zusammenarbeiten konnte: Was will man
mehr? Es war die reinste Freude!