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Hoffnung bis zuletzt

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Wer noch am ATC/OSWA Kartentausch mit machen möchte,sollte sich noch schnell anmelden.Jedes Medium ist erlaubt,egal ob gemalt,gebastelt ,gestrickt....Trau Dich.

tempika

Unregistered

1

Tuesday, October 6th 2009, 7:33pm

Hoffnung bis zuletzt

Hoffnung bis zuletzt



Das Zimmerchen im Altenheim war nicht sehr groß und sie hatte nicht viel mitnehmen können. Ein paar private Sachen durfte sie mitbringen. Eine kleine Kommode, ein TV -Gerät und ihre Garderobe, die von der Tochter neu gekauft worden war, denn sie sollte pflegeleicht und zweckmäßig sein. Ihre Blusen und Röcke, die sie so liebte, waren in die Altkleidersammlung gekommen. Ihre Wohnung war aufgelöst worden, ihre liebgewordenen kleine Wohnung, in der sie 40 Jahre gelebt hatte. Aber das wusste sie noch nicht. Die letzten 10 Jahre waren schwer gewesen, denn Hermann ihr Mann hatte einen Schlaganfall bekommen und beanspruchte sie bis zur Erschöpfung, Tag und Nacht. Sie hatte nie geklagt, hat sich nie beschwert.
Ihre Tochter hatte gesagt.
" Mama, du sollst dich hier erholen und wenn es dir besser geht, dann kommst du zu mir und Werner."
Sie hatte gesagt:
" Ja mein Kind, ich weiß du meinst es gut mit mir und hier hab ich auch die Ruhe, um mich wieder zu finden. Papas Tod hat mich doch sehr mitgenommen. Pflegst du sein Grab? Das Geld für frische Blumen, kannst du von meinem Konto holen, hast ja die Vollmacht."
Die Tochter versprach ihrer Mutter alles, alles was sie hören wollte und die alte Frau glaubte ihr.
Die Schwestern waren nett, aber wenn sie eine Frage hatte, wurde meist gesagt:
" ich komme gleich zu ihnen, einen Moment noch. "
Die Momente dauerten oft eine oder mehrere Stunden, oder gerieten ganz in Vergessenheit.
Sie hatten sie gefragt, sie nannten es Anamnese, wie ihr Leben verlaufen war . Sie wollte das nicht erzählen, denn sie sah nicht ein, warum sie für ein paar Wochen das alles berichten sollte. Ihre Tochter würde sie zu sich holen, wollte eine kleine Wohnung in ihrem großen Haus für sie einrichten und dann könnte sie mit den Enkelkindern spielen oder auf sie achten, während die Eltern arbeiteten. Es würde sehr schön werden.
Aber jetzt saß sie erst einmal in dem kleinen Zimmer im Altenheim, das sie für eine Privatklinik hielt.Aus dem Fenster schauend sah sie einen Park mit alten Bäumen. Sie stand auf, öffnete den Kleiderschrank und zog sich ihren Mantel an. Ging zur Türe und betrat den Flur. Alle Türen auf dem langen Flur sahen gleich aus. Sie musste sich die Zimmernummer merken 43........., sie sagte die Zahl ein paar mal vor sich hin und war sicher, sie würde sie nicht vergessen. Wie sollte sie gehen, Rechts? Links? Auf dem Flur war niemand zu sehen. Ah da sah sie eine Treppe, die sie hin unterging. Sie ging drei Treppen hinunter und öffnete eine Türe, nein hie war sie falsch, das sah sehr nach Keller aus.

Also stieg sie zwei Treppen wieder hinauf und öffnete eine Tür, wieder ein Flur, Hier waren alle Türen blau gestrichen, auf ihrem Flur waren die Türen....................ja hm welche Farbe hatten denn da die Türen? Sie sagte sich, dass sie gleich nachsehen würde, wenn sie wieder auf ihrem Flur war, in ihrem Zimmer mit der Nummer................Nummer? Oh Gott, welche Nummer war das den noch, welche Farbe hatten die Türen, in welchem Stockwerk war sie überhaupt.

Sie wurde unruhig. Aber zum Glück kam eine Schwester vorbei , die sie liebevoll ansah und sagte:
"Frau Bergler, wo wollen sie denn hin?"
" Ich.................ich, ich weiß es nicht. Ich weiß gar nicht wo ich bin, wo bin ich denn?"
" Sie sind hier bei uns im Seniorenheim Abendruh und nun schauen wir einmal nach, wo sie wohnen."
Sie hakte sich bei der alten Dame unter und zog sie mit sanfter Gewalt zum Aufzug, fuhr mit ihr ins Erdgeschoss und schaute in einer Akte nach.
" Frau Bergler, sie wohnen in der zweiten Etage, das ist die rote Etage, weil da die Zimmertüren rot gestrichen sind und ihre Zimmernummer ist 43. Soll ich sie dahin begleiten?"
" Nein, nicht nötig, ich möchte in den Park gehen und ein wenig frische Luft schnappen," sagte sie und sah die Schwester lächelnd an. " Wie heißen sie denn Schwester...................?"
" Ich bin die Schwester Nina, aber sie können jetzt nicht mehr in den Park, es gibt gleich Abendessen, dann bringe ich sie auf ihr Zimmer und helfe ihnen bei der Abendpflege."

Was wollte die? Ihr bei der Abendpflege helfen? Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr es war kurz vor 18:00 Uhr . Abendbrot dauert vielleicht eine halbe Stunde. 18:30 Uhr Abendpflege??? Helfen???? Nun gut, sie würde sehen, was die Schwester darunter verstand.
Das Abendbrot nahm sie ein an einem Tisch in einem großen Saal, mit vier alten Damen am Tisch. Die Frau ihr gegenüber saß im Rollstuhl und schaukelte die ganze Zeit vor und zurück, vor und zurück.........., der Speichel floss ihr aus dem Mund an der rechten Seite. Sie bemerkte das die Frau nicht sprechen konnte, sie war halb seitig gelähmt. Eine andere Schwester kam und reichte der Frau das Essen. Aber für ihren Geschmack, ein bisschen sehr ungeduldig.

Nein, sie mochte nichts essen und da kam auch schon Schwester Nina und fragte:
" Wollen sie nichts essen?"
Sie schüttelte nur den Kopf und Nina nahm sie am Arm , führte sie in den Aufzug, drückte zweite Etage und brachte sie in ihr Zimmer. Nina machte Licht im Bad und sagte:
" Wollen sie noch Fernsehen gleich?"

" Liebe Schwester Nina, ich weiß sie meinen es gut und sie tun nur ihre Arbeit, aber ich möchte nicht fernsehen, ich möchte auch noch nicht schlafen gehen, ich möchte das sie jetzt gehen und mich allein lassen."
" Frau Bergler, wenn sie Hilfe brauchen , wenn die Nachtwachen da sind, die haben keine Zeit ihnen zu helfen."
" Ich brauche auch keine Hilfe, ich hab mich bisher auch allein ausziehen können. Warum glaubt nur jeder er muss mir helfen."
Nina verließ ein wenig beleidigt das Zimmer und draußen vor der Tür dachte sie:............sie wird sich schon ein leben, aber die Tochter versteh ich auch nicht, hat sie denn ihrer Mutter nicht gesagt das sie hier bleiben muss? Das sie mit dem Mann und den Kindern nach Hamburg ziehen will? Und wir müssen lügen, weil die Mutter nicht erfahren darf, das sie hier ihr letztes zu Hause hat. Verdammte blöde Verwandtschaft."

Frau Bergler aber saß in einem Lehnstuhl, im Dämmerlicht, schaute hinaus in den Park und sagte:
" ich werde mich fügen müssen für die paar Wochen wo ich hier bin. Ich werde mich sehr schnell erholen und dann kommt meine Margitta mich holen, dann lebe ich bei ihr und den Kindern." bei diesem Gedanken lächelte sie.

Sie lebte noch vier Jahre im Seniorenheim Abendruh und jeden Abend sagte sie:
" Margitta kommt mich holen, Mein Kind vergisst mich nicht. ."
Das waren auch ihre letzten Worte als sie an einem kalten Winterabend einsam, nur mit einer Schwester an der Seite die ihre Hand hielt starb.

Die Hoffnung hatte sie nie aufgegeben.


Ende


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  • This post has been edited 3 times, last edit by "tempika" (Oct 6th 2009, 7:34pm)

unkelisa Cancer

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2

Tuesday, October 6th 2009, 10:32pm

Hallo, Tempi,

die Geschichte ist schon sehr heftig. Da bin ich doch sehr froh, dass mein Vater so schnell gestorben ist - meine Mutter war übrigens auch nach einem schweren Sturz nach zwei Tagen tot. Da ist allen viel erspart geblieben.
Aber eine Mutter so zu belügen, wie in dieser Geschichte ist einfach schäbig.
Herzliche Grüße aus dem schönen Rheinland

Liesel

Um seine Sichtweise zu verändern, genügt meist ein anderer Blickwinkel.

tempika

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3

Wednesday, October 7th 2009, 8:05pm

Diese Geschichte ist eine wahre Geschichte und tatsächlich passiert und die Schwester, die ihre Hand hielt,als sie starb die war ich. Die Namen der Personen wurden geändert und keine ortsangaben gemacht.

LG
tempika
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Heide Aries

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4

Wednesday, October 7th 2009, 8:59pm

Und ihre Tochter WAR NIE WIEDER DA ?????

tempika

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5

Thursday, October 8th 2009, 7:48am

Doch, zur Beerdigung, da musste sie wohl.

LG
tempika

Maitreya

Unregistered

6

Wednesday, May 16th 2012, 3:36pm

Mein Freund starb an Ebola, wir unterhielten uns noch bis 4.00 Uhr morgens, als ich dann gegen 7.00 Uhr aufwachte, war das ganze Bett voller Blut, er lag dann 2 Tage in einem Wachkoma, die Bluttransfusionen liefen nicht mehr in die Adern, sondern in den Arm. Als ich manchmal auf den Balkon ging, konnte ich seine Schmerzschreie selbst da noch hören, kein Tod den ich jemand wünschen würde.
Seine Mutter war dann auch noch so nett, als ich sie anrief und sagte wörtlich, wenn er verreckt, soll ihn doch das Sozialamt begraben, ich habe keinen Sohn. sie hat nicht einmal im Krankenhaus angerufen und weiß bis heute nicht, daß er tot ist.
Ich nahm dann einen Anwalt, da wir nicht verheiratet waren und seine Mutter keine große hilfe war, so daß ich ihm wenigstens seinen letzten wunsch erfüllen konnte und ihn auf See bestatten laßen konnte. Aber tja, da denkt man, man wird zusammen alt und hat noch das Leben vor sich und ein paar Tage später kann das Leben schon vorbei sein.
Aber wie es auch so schön heißt, wer mit dem Schwert lebt, stirbt durch das Schwert, da kann ich nur hoffen, daß der Spruch auch stimmt.
Der Spruch, die Zeit heilt alle Wunden, stimmt auf jeden Fall schon mal nicht.
Gruß Maitreya
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  • This post has been edited 2 times, last edit by "Maitreya" (May 16th 2012, 3:39pm)

unkelisa Cancer

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7

Wednesday, May 16th 2012, 9:43pm

Oh, da hast du aber auch eine schwere Zeit durchgemacht. Die Zeit heilt schon ein paar Wunden, aber sicher nicht alle und ein Mensch, den man geliebt hat, bleibt immer im Herzen. Aber glaub mir, mit der Zeit verblassen die unschönen Dinge und das Gute und Schöne bleibt viel lebendiger in Erinnerung.
Herzliche Grüße aus dem schönen Rheinland

Liesel

Um seine Sichtweise zu verändern, genügt meist ein anderer Blickwinkel.

Maitreya

Unregistered

8

Thursday, May 17th 2012, 9:06am

Hi Unkelisa, stimmt, man erinnert sich meist an die schönen Zeiten zurück, obwohl wir mehr schöne Zeiten und auch immer alles gemeinsam durchstanden, egal ob Freud oder Leid. Aber manchmal glaube ich, ich ziehe den Tod regelrecht an, erst starb mein Schwester, welche herzkrank und blind war sehr jung,dann mein Vater, meine Oma, danach mein Freund und 3 Monate später wurde meine Freundin ermordert.
Aber ich bin froh, daß ich wenigstens noch meine Mutter habe und auch 27 Katzen, /f/ .
Aber der Tod verschont je nach Ansicht keinen, egal ob arm oder reich, jung oder alt und man kann nur hoffen, das man einmal einen schnellen und schmerzlosen Tod hat.
Gruß Maitreyal
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MonaB Virgo

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9

Friday, May 18th 2012, 12:41am

Maitreya da schreib ich dir an anderer Stelle zu...
Liebe Grüße Moni

Wenn ich male, bin ich glücklich ...!
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